Frühjahrsputz mit Marie Kondo

Ich bin eine sehr unorganisierte Person. Selbst ein Jahr, nachdem ich in meine Wohnung gezogen war, hatte ich zum Beispiel noch immer keine Schneidebretter in meiner Küche und schnitt mein Gemüse stattdessen auf einem dicken, massiven Buch.

„Aber Michael, du kannst doch dieses Buch nicht als Schneidunterlage verwenden“, sagten meine Freunde aufgebracht, während sie sich vermutlich eine geistige Notiz machten, nie ein von mir zubereitetes Gericht zu essen. „Aber wieso? Es ist doch ein Kochbuch!“ entgegnete ich verteidigend.

Heute, vier Jahre später, habe ich zwar unzählige Schneidebretter zuhause, bin aber noch immer in etwa so organisiert wie ein verrückter, alkoholabhängiger Wissenschaftler.

Letztens kaufte ich mir daher das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo – ein Megabestseller aus Japan, dessen Klappentext mir versprach, nie wieder Zeit mit Aufräumen verbringen zu müssen. „Prima, das lässt mir mehr Zeit, um diverse Käsesorten auszuprobieren…“ sagte ich mir leise und biss in ein Stück Gruyère.

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Die Magie des Weiterverschenkens

„Ich habe eine tolle Idee: Lasst uns dieses Jahr wichteln!“, sagte Anna – eine Studienkollegin – nach der Vorlesung und mir wurde sofort klar, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von „tollen Ideen“ hatten. Ein Eierlikör-Wetttrinken veranstalten? Meiner Meinung nach eine wirklich tolle Idee! Aber Wichteln – dieses nervige Spiel, bei dem man einen Namen aus einem Hut zieht und dieser Person etwas schenken muss? Ich würde lieber trinken.

Doch da mir gerade langweilig war und ich ohnehin gedachte, dieses Studium nach Ende des Semesters abzubrechen, hatte ich nicht viel zu verlieren und griff in den Hut; eine Entscheidung, die ich sofort bereuen sollte. Ausgerechnet zog ich Raphael – einen Studienkollegen, der im ganzen Semester in etwa so viel Persönlichkeit gezeigt hatte, wie Kourtney Kardashian (= gar keine). Ein Geschenk für ihn, einen selbsternannten „Denker“, zu finden, schien mir ähnlich knifflig, wie einen Zauberwürfel zu lösen. View Full Post

Warum bin ich so langweilig?

An einem Freitagabend, als ich mit einer Freundin beim Essen über den Steuerausgleich sprach, wusste ich, dass es Zeit für eine Veränderung war. Es schien, als hätten wir einen Artikel zum Thema „EXTREM langweilige Gesprächsthemen für jede Situation!“ gelesen.

Neben dem Steuerausgleich erörterten wir Fragen wie „Wo kauft man den besten Käse?“ und „Wie kann man Mandelmich selbst machen?“ „So kann es unmöglich weitergehen“, dachte ich mir, während ich meinen Weißwein exte. „Ich bin 23 und es ist Freitagabend! Was diskutieren wir wohl als nächstes? Bingo? Bestattungsunternehmen?“

Irgendwann im Laufe der letzten beiden Jahre habe ich mich von einem agilen, jungen Mann, der gerne mal an drei Tagen die Wochen sein Tanzbein in der Diskothek schwingt in einen grummeligen, bequemen Typen verwandelt, der nicht mehr ausgeht und Worte wie „Diskothek“ und „Tanzbein“ verwendet. Bitte stoppt mich, bevor ich lärmenden Teens nach 22 Uhr aus dem Fenster gelehnt mit einer Heuschaufel drohe. View Full Post

Don’t do it yourself! Warum ich Basteln hasse.

Ich führe eine innige Hassliebe mit DIY. Ähnlich wie Kochen, Französisch sprechen oder meine Grenzen beim Alkoholkonsum erkennen möchte mir das erfolgreiche Ausüben von Do It Yourself Projekten partout nicht gelingen. Natürlich hindert mich das nicht daran, Unmengen an Geld in sinnlose Bastel-Utensilien wie Glitzer in allen Farben oder bunte Filz-Bälle zu investieren, doch die Ergebnisse meiner Bemühungen sehen immer so als, als wären sie von einem extrem ungeschickten Affen angefertigt worden.

Meine Besessenheit zu Do It Yourself begann an einem ruhigen Nachmittag vor zwei Jahren, als ich in der Wohnung meiner guten Freundin Maria zu Besuch war. In ihrer Küche erspähte ich eine Tafel, die von einem verschnörkelten, weißen Rahmen umringt war. „Maria, wo hast du denn diese wunderschöne Tafel gekauft?“, fragte ich begeistert und kam mir dabei vor wie der Protagonist in einer Werbung für Tafeln. „Gekauft?“, entgegnete Maria empört. „Aber Michael, diese Tafel habe ich doch selbst gemacht! DO IT YOURSELF! Es ist ganz einfach!“, erklärte sie mir. View Full Post

Ich habe überlebt: Ein Tag ohne Smartphone

Ich habe beschlossen, jede Woche einen Tag lang auf mein Smartphone zu verzichten. Dies ist keine meiner „witzigen“ Ideen, wie damals, als ich entschied, mich einen Tag lang nur von Desserts zu ernähren, sondern vielmehr ein notwendiger Schritt.

Letztens, als ich im Regen durch die Stadt rannte und beim panischen Checken meines Instagram-Accounts (wie viele Likes hatte mein Selfie in dieser Clownsperücke bekommen? Ich musste es wissen!) gegen ein Kutschpferd knallte, wusste ich, dass es so nicht weitergehen konnte.

Wenn man bei seiner liebsten Tätigkeit ein majestätisches Tier rammt, ist es womöglich an der Zeit, sein Hobby (oder, entschuldigt das Wortspiel, Steckenpferd) zu überdenken. Wie schlimm konnte ein Tag ohne Handy schon sein? View Full Post