Ruhe in Zeiten des Stress

Mittlerweile ist es wohl kein Geheimnis mehr, dass ich oftmals ein bisschen unter Stress leide. Einmal, bei einer Podiumsdiskussion, wurde ich vorgestellt als „Blogger Michael Buchinger – er schreibt vor allem über Stress!“.

An dieser Misere bin ich wohl selbst Schuld: Immer wieder finde ich einen Weg, mein erhöhtes Stress-Level subtil in Unterhaltungen einzubauen und klinge dabei wie eine kaputte Schallplatte.

A: Hallo Michael, wie geht es dir?
M: ICH BIN SO GESTRESST!

Dabei sollte es mir doch eigentlich ganz gut gehen: Als selbstständiger YouTuber und Blogger kann ich mir meine Arbeitszeiten frei aussuchen, rein theoretisch bis 19:00 Uhr schlafen und meiner Arbeit erst in der Nacht nachgehen, als wäre ich ein Bösewicht in einem Superhelden-Film.

Mein eigentliches Problem ist es jedoch, dass, ob meines flexiblen Terminkalenders, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer ein bisschen verschwimmen. Bei Familienfeiern entschuldige ich mich kurz bei meinen Scrabble-spielenden Verwandten, um am Handy an einer Konferenzschaltung teilzunehmen, nur um mir im Anschluss erzählen zu lassen, dass ich Tante Gittis unglaublichen dreifachen Buchstabenwert verpasst habe.

Selbst am Wochenende kann ich schwer entspannen, da besonders eifrige Arbeiter mir auch an diesen Tagen Mails (auf deren Eingangsgeräusch ich mittlerweile reagiere wie ein pawlowscher Hund) schreiben. Nachts liege ich dann wach, aus Sorge, irgendetwas Essentielles vergessen zu haben. Ich fühle mich ständig wie vor einer Reise, für die ich noch nicht ausreichend gepackt habe.

In den letzten Monaten habe ich also immer wieder verschiedene Dinge versucht, um meine innere Unruhe zu reduzieren und muss euch leider berichten, dass das einzige, das mir wirklich hilft, ein langer Urlaub ist, während dem ich in meinem Mail-Programm eine passiv-aggressive à la „Bis zum 31. August bekomme ich KEINE Mails und sie werden auch NICHT weitergeleitet!!!“ einrichte.

Mein Hausverstand – und meine Finanzberaterin – sagen mir aber natürlich, dass ich nicht immer, wenn ich mich ein bisschen gestresst fühle, in den Urlaub fahren kann. Umso entzückter war ich, letztens eine einfachere und um einiges günstigere Alternative entdeckt zu haben: Nervenruh forte von Klosterfrau. Konnte man der Verpackung Glauben schenken, so handelte es sich um ein pflanzliches Arzneimittel, einzunehmen bei „leichten Symptomen von mentalem Stress und nervös bedingten Schlafstörungen“, was – unter uns – nach einer ziemlich treffsicheren Beschreibung meiner Person klingt.

Neugierig kaufte ich eine Packung und versprach mir, das nächste Mal, wenn mich der Stress überfiel, ein Dragee einzunehmen.

Das dauerte natürlich nicht lange, letzten Freitag war es so weit: Nach einem dreitägigen Dreh in einer Region Deutschlands, deren Namen ich vergessen habe, welche ich aber rückblickend betrachtet als „schirch“ bezeichnen würde, war ich so erledigt, dass ich meinen Freund bat, mich vom Flughafen abzuholen. Da ich in den Nächten zuvor aufgrund der Nervosität, ob der bevorstehenden Drehtage, in etwa so ruhig geschlafen habe, als wäre ich auf einem wilden Musikfestival zu Gast, freute ich mich schon auf mein eigenes Bett.

Doch anstatt wohlverdienter Nachtruhe erwarteten mich wieder einmal altbekannte Sorgen: Ich hatte völlig vergessen, dass ich am nächsten Morgen ein Interview und ein kleines Fotoshooting für ein Magazin hatte. Außerdem wollte eine Freundin, die bald ein Auslandssemester in Kanada antrat, sich noch ein letztes Mal mit mir treffen und das, obwohl ich doch eigentlich Dominik versprochen hatte, mal wieder ein bisschen Zeit mit ihm zu verbringen. Ihr merkt: Bei mir scheitert es nicht zuletzt an der Planung.

Also wachte ich am nächsten Morgen bereits so gestresst auf, als hätte ich nicht ein paar Stunden Schlaf, sondern einen Marathon hinter mir. Das passiert nicht selten: Ab und an erwache ich mit einem Herzschlag, den ich sonst wohl nur während einem Abendspaziergang mit Jack the Ripper haben würde. Zum Glück fiel mir ein, dass ich erst unlängst eine Packung Nervenruh forte gekauft hatte. Der richtige Augenblick war gekommen!

Gleichzeitig mit meinem Frühstück nahm ich ein Dragee ein und machte mich auf den Weg zum Interview; dem ersten Termin des Tages. Mein Problem ist, dass ich bei solchen Unterfangen immer ein bisschen unruhig wirke, da ich gedanklich schon bei meinen nächsten Verpflichtungen bin. Nicht heute: Wo ich sonst gebrabbelt hätte wie ein Wasserfall, um früher fertig zu sein, fühlte ich mich heute um einiges ruhiger und entwickelte eine freche „laissez faire!“-Attitüde zu meinen kommenden Terminen.

Ich behaupte natürlich nicht, dass Nervenruh forte all meine Probleme gelöst hat: Ich hatte an diesem Tag noch immer viele Termine, zu denen ich natürlich pünktlich kommen musste und daran konnte (leider!) auch ein Arzneimittel nichts ändern. Aber ich stellte entzückt fest, dass mein geistiger Drill Sergeant, der immerzu sagt „Komm schon, Michi, schneller, schneller!“, ein bisschen Ruhe gab. Meine Termine wurden nicht weniger, aber die Art und Weise, wie ich damit umging, um einiges entspannter.

Ähnlich lebensfroh wie diese Frauen in Shampoo-Werbungen glitt ich von einem Termin zum nächsten und schaffte es dabei, mir keinen einzigen Fingernagel abzukauen. Meine Erfahrung mit Nervenruh forte war also äußerst positiv und alleine die Vorstellung, dass ich für kommende Stress-Situation noch immer eine große Packung der Dragees zuhause habe, beruhigt mich immens.

Aber mal ganz abgesehen davon, dass ich nunmehr nicht hektisch und unruhig durchs Leben gehe: Stellt euch mal vor, wieviel Geld ich jetzt, da ich nicht gleich nach jeder Stress-Situation in den Urlaub fahre, sparen werde. Hunderte und aberhunderte Euros – meine Finanzberaterin wird mich LIEBEN! Danke, Nervenruh forte.

Jetzt seid aber ihr dran, liebe Leser: Was macht ihr, wenn ihr an stressigen Tagen ein bisschen runterkommen wollt? Sagt es mir in den Kommentaren!

– Michael

In freundlicher Zusammenarbeit mit Klosterfrau

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3 Comments

  1. Julia 30. August 2017 / 10:37 am

    Ich habe leider noch nichts dagegen gefunden außer Zeit mit meinem Freund zu verbringen, aber auch da komme ich nicht zur Ruhe. Ich habe es schon mit Stressbällen versucht, dabei schaffe ich es aber immer wieder sie zu zerstören/aufzureißen 😮

    Ich danke dir für den Beitrag, vl probiere ich das auch mal.

  2. Steffi 31. August 2017 / 5:03 pm

    Keinen Kaffee trinken. Ich versuche derzeit auch ohne Kaffee zu leben lernen. Der Körper ist dann schon von Haus aus ruhiger…

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