Don’t do it yourself! Warum ich Basteln hasse.

Ich führe eine innige Hassliebe mit DIY. Ähnlich wie Kochen, Französisch sprechen oder meine Grenzen beim Alkoholkonsum erkennen möchte mir das erfolgreiche Ausüben von Do It Yourself Projekten partout nicht gelingen. Natürlich hindert mich das nicht daran, Unmengen an Geld in sinnlose Bastel-Utensilien wie Glitzer in allen Farben oder bunte Filz-Bälle zu investieren, doch die Ergebnisse meiner Bemühungen sehen immer so als, als wären sie von einem extrem ungeschickten Affen angefertigt worden.

Meine Besessenheit zu Do It Yourself begann an einem ruhigen Nachmittag vor zwei Jahren, als ich in der Wohnung meiner guten Freundin Maria zu Besuch war. In ihrer Küche erspähte ich eine Tafel, die von einem verschnörkelten, weißen Rahmen umringt war. „Maria, wo hast du denn diese wunderschöne Tafel gekauft?“, fragte ich begeistert und kam mir dabei vor wie der Protagonist in einer Werbung für Tafeln. „Gekauft?“, entgegnete Maria empört. „Aber Michael, diese Tafel habe ich doch selbst gemacht! DO IT YOURSELF! Es ist ganz einfach!“, erklärte sie mir.

Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich mich nicht so schnell täuschen lassen. „Es ist ganz einfach!“ ist eine bedeutungslose Phrase, mit denen Angeberinnen wie Maria um sich werfen, um talentfreien Menschen wie mir ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Denn der Arbeitsprozess, den sie mir daraufhin beschrieb, klang in etwa so einfach, wie aus Alcatraz auszubrechen.

„Also zuerst nimmst du einen alten Bilderrahmen und sprühst ihn aus 20cm Entfernung mit weißer Farbe an. Das lässt du für 24 Stunden trocknen und dann bestreichst du die Glasfläche mit Tafellack. Zuerst vertikal, dann horizontal!“, sagte sie sehr laut. An dieser Stelle bildete sich Schaum vor ihrem Mund. „Dann lässt du diese ebenfalls für 24 Stunden trocknen und am Ende hast du eine wunderschöne Tafel für einen Bruchteil des Preises, den du im Laden dafür bezahlt hättest!“. Maria war ohne Zweifel so stolz auf sich, dass ich befürchtete, sie würde jeden Moment ihre Kleidung vom Leib reißen und wie ein Gorilla auf ihrer Brust trommeln.

Vom DIY-Wahn meiner Freundin mal abgesehen, hielt ich ein Bastel-Projekt für eine gute Idee und hatte sogar einen alten Bilderrahmen zuhause, den ich aufpeppen konnte. So besorgte ich am Weg nach Hause all die nötigen Utensilien: Eine Dose Tafellack für 20€, weiße Sprühfarbe für 9€ und einen Pinsel für 10€. Insgesamt also 39€. Nicht so günstig, wie ich gedacht hatte, aber egal! Wenn ich Maria glauben durfte, machte DIY ja auch jede Menge Spaß.

Bereits am nächsten Tag verfluchte ich Maria und ihre bekloppte Tafel. Binnen der letzten 24 Stunden war es mir nicht nur gelungen, weiße Farbe und klebrigen Tafellack unabsichtlich in Körperregionen zu sprühen, in denen diese Substanzen absolut nichts verloren haben – oh nein! – das Endprodukt meiner Bastel-Bemühungen war eine Tafel, auf der man nicht richtig schreiben kann. Sobald mein Projekt getrocknet war, schrieb ich mit Kreide „Tafel“ auf meine Tafel und schmunzelte ob meiner Cleverness in meinen Bart.

Das Lachen sollte mir jedoch bereits vergehen, als ich feststellte, dass die Tafel noch nicht so trocken war, wie ich dachte und ich das Wort „TAFEL“ nun permanent in mein Kunstwerk geritzt hatte. Es lässt sich einfach nicht mehr entfernen, es sei denn, ich würde das Teil neu lackieren und darauf habe ich absolut keine Lust, aus Sorge, ich könne mich vor Wut in den unglaublichen Hulk verwandeln. Ich habe nun eine 39€ teure Tafel zuhause stehen, auf der in riesigen Lettern TAFEL steht und daran ist nur Maria Schuld.

Seit diesem ersten erfolglosen Projekt sind nun zwei Jahre vergangen. Viele weitere, großteils gescheiterte, Versuche, waren die Folge. Meine Wohnung wird geziert von Gegenständen wie selbstgemachten Windlichtern und feierlichem Osterschmuck, die allesamt so aussehen, als hätte ich sie aus dem Kindergarten um die Ecke mitgehen lassen.

Ich kann es kaum erwarten, eines Tages gefragt zu werden, wo ich diese wunderschönen Kunstwerke gekauft habe. „Gekauft? Aber das ist doch DO IT YOURSELF“, werde ich dann pseudo-empört von mir geben und einen dramatischen Moment lang inne halten. „Es ist ganz einfach! Du solltest es ausprobieren!“, werde ich dann lügen und dem Unheil seinen Lauf lassen.

– Michael

Mein Buch, „Der Letzte macht den Mund zu“, erscheint am 14. Juli: http://amzn.to/2oVTCxE

 

Share:

2 Comments

  1. Clara 4. Juni 2017 / 9:53 pm

    Ich musste grad so lachen, ICH BRAUCHE DIESE TAFEL

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.