Born to be mild – Michis milde Nächte!

„Was ist bloß aus mir geworden?“ fragte ich mich, als ich eines Freitags zur Primetime völlig erschöpft in meinem Bett lag und mich bemühen musste, um nicht einzuschlafen, bevor der Täter in „Mord ist ihr Hobby“ entlarvt worden war. Ich bin 23 und ich bin sicher, es gibt Tage, an denen meine liebe Großmutter in ihrer edlen Seniorenresidenz spannendere Abende hat als ich.

Jeder, der mich kannte, als ich 16 war, wird euch sagen, dass ich eine wahre Spaßkanone war, die regelmäßig und mit Vorliebe gegen die „Nicht mit Alkohol mischen!“-Warnung auf Red Bull-Dosen rebellierte. An einem guten Wochenende ging ich damals auf ganze drei Partys – heute sehe ich es als einen Triumph an, wenn es mir gelingt, einmal im Monat bis 1 Uhr wachzubleiben.

Gerne würde ich behaupten, dass meine generelle Unlust an sämtlichen Aktivitäten, die als „cool“ bezeichnet werden können, lediglich mit den wärmeren Temperaturen zu tun hat. „Der Sommer ist zum Wohlfühlen da“, könnte ich mir einreden, „und sobald es wieder wärmer wird, werde auch ich wieder zum Partytier!“. Aber wem würde ich etwas vormachen? Selbst im „Partymonat Mai“ würde ich lieber zuhause bleiben und meine Füße mit Lotion einreiben, als auszugehen.

Nicht zu Unrecht frage ich mich also, woher diese Veränderung kommt. Warum macht es mir Spaß, meine Wochenenden zuhause zu verbringen und meine Wohnung in ein Spa (bzw. ein schäbiges Spa, das Probleme mit der Gesundheitsbehörde hat) zu verwandeln? Die Antwort lautet wohl, dass es mir wichtiger ist, mich wohlzufühlen, als cool zu sein.

Eine Zeit lang fühlte ich mich ob dieses bequemen Lebensstils ganz schlecht. Immerhin bin ich noch relativ jung und sollte doch eigentlich an Wochenenden nicht um 8 Uhr aufstehen, sondern eher um 8 Uhr gerade vom Club nach Hause kommen. Ich sollte diese Zeit nutzen, um Fehler zu machen und mir ein Intim-Tattoo stechen zu lassen. Die Sache ist nur: Ich will nicht.

Allein beim Gedanken an ein Tattoo schreie ich lauter als ein Baby, das Zähne bekommt und es liegt mir zudem fern, 12€ Eintritt in einen Club zu bezahlen, in dem die Musik viel zu laut ist. Wisst ihr, was man für 12€ alles kaufen kann? Zwölf ulkige Gegenstände aus dem 1€-Shop!

Ich bin natürlich kein Trend-Experte – noch sollte ich einer sein, da ich Crocs mit Fell-Futter für den absoluten Gipfel des guten Geschmacks halte! – aber es fällt mir dennoch auf, dass viele meiner Freunde, die früher ähnlich wild waren wie ich, ebenfalls den Wohlfühl-Faktor für sich entdeckt haben und jede freie Minute mit Vorliebe im Bett verbringen (ich nenne es den „Michi Buchinger Way of Life“). Wenn Wohlfühlen also ein neuer Trend ist, bin ich ganz dabei: Lasst uns eine Revolution starten und protestieren, indem wir liegen bleiben!

„Was ist nur aus mir geworden?“ frage ich mich zurecht Freitagabend für Freitagabend und die Antwort lautet: Ein ziemlich entspannter Mensch, der das Leben genießt und manisches Feiern gegen „Mord ist ihr Hobby“ eingetauscht hat. Endlich kann ich ohne Schamgefühl sagen: Ich bereue es kein bisschen.

– Michael

Mein Buch, „Der Letzte macht den Mund zu“, erscheint am 14. Juli: http://amzn.to/2oVTCxE

 

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2 Comments

  1. Tina 13. Juli 2017 / 5:24 pm

    Ich bin zwar erst 16, aber ich bevorzuge bereits jetzt den ,, Michi Buchinger way of life“ :‘) Ich habe schlicht und ergreifend nicht das Bedürfnis feiern zu gehen und/ oder mich zu betrinken. Besonders nicht, wenn man die gefühlten Milliarden an Snaps anderer beim Feiern sieht ( “ Oh seht mich an. Ich trinke Bier/Schnaps/Wodka/etc. . Jetzt bin ich cool. Vor mir hat natürlich niemand jemals Alkohol getrunken und deshalb fühle ich mich jetzt furchtbar außergewöhnlich und „tumblr af“ . Ich werde euch jetzt einen Monat lang nur von meinen aberwitzigen Erlebnissen dieses furchtbar tollen Abendes berichten, 30 Bilder auf Instagram posten, das Datum diesen Abends in meinen Whatsapp- Status packen und jede Stunde mein Profilbild auf allen social media ändern“). Ich bleibe furchtbar gerne zuhause und mache mir einen entspannten Abend mit Serien oder Büchern. Leider muss ich zugeben, dass ich mich manchmal dabei ertappe zu denken ich würde etwas verpassen. Daher beruhigt es mich wenn ich Menschen treffe die einen ähnlichen Standpunkt vertreten. Nicht jeder ist ein Fan von Partys und das ist auch okay so. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich fand diesen Post ziemlich unterhaltsam und konnte mich damit irgendwo auch identifizieren. 🙂 Ich finde deinen Schreibstil generell ziemlich toll und freue mich bereits sehr auf dein neues Buch!! Viele liebe Grüße xx

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