Entspann dich doch mal, Michi Buchinger!

Wer mich kennt weiß, dass ich immer ein bisschen gestresst bin. Mein am meisten vorhandenes Anspannungs-Level entspricht wohl „Katze, der gerade die Nägel geschnitten werden“. Aufgebracht haste ich von einem Termin zum nächsten; eine Tatsache, die meine Freunde ganz und gar nicht verstehen.

„Du bist ständig im Urlaub und hast ein angenehmes Leben. Wie kommt es, dass du immer angespannt bist?“. Das stimmt leider: Mithilfe meines Instagram-Accounts habe ich nachgezählt und festgestellt, dass ich 2016 ganze 15 Mal im Urlaub war; eine Summe, die ob des CO2-Ausstoßes beim Fliegen wohl nicht sonderlich „green“ ist.

Im Urlaub bin ich eine völlig andere Person und streife entspannt, und ausschließlich in weiße Kleidung gehüllt, durch die Gegend, während ich „Kumbaya“ summe, doch gelingt es mir nie, diese innere Ruhe mit nach Hause zu nehmen. Sobald ich wieder in meinen eigenen vier Wänden bin, verwandle ich mich in ein gestresstes Monster, das weinen will, wenn der Tee kalt wird.

Gewillt, einen Weg zu finden, auch in meinem trauten Heim Ruhe zu finden, besorgte ich mir eine Meditations-App mit dem Ziel, jeden Tag für 20 Minuten einen klaren Kopf zu bekommen. Doch spätestens, als ich bei der Meditation einschlief, drei Stunden später aufwachte und bereits einige Termine verpasst hatte, beschloss ich, dass diese Methode nicht für mich geeignet war.

So probierte ich es als nächstes mit Sport: (Anstrengende) Menschen behaupten ja ständig, dass eine Stunde Sport am Tag extrem beruhigend ist und Stress reduziert. Warum ich weniger Stress haben sollte, wenn ich – nebst meinen anderen Verpflichtungen – nun auch noch eine Stunde Bewegung in meinen Terminplan quetschen muss, ist mir ein Rätsel, aber ich wollte es zumindest einmal probieren.

So ging ich joggen, blieb 45 Minuten lang in Bewegung und fühlte mich fantastisch – zumindest bis zu jenem Moment, in dem ich realisierte, dass ich nicht an meinen Rückweg gedacht hatte, nun 10km von meinem Zuhause entfernt war und der nächste Termin in 30 Minuten anstand. Völlig verschwitzt schnappte ich mir ein Taxi, das mich vom Joggen nach Hause brachte – womöglich nicht der wahre Sinn von Sport und auch nicht sonderlich umweltfreundlich.

Ich habe wirklich alles probiert: Kochen, laut schreien, mehr Wasser trinken, mehr Alkohol trinken – ja sogar rauchen, was doch immer alle als „sehr entspannend“ beschreiben, auf einen Nichtraucher wie mich allerdings die Wirkung hatte, als hätte ich 400 Espressi gekippt und mich anschließend hemmungslos im Kreis gedreht. Nichts hat geklappt.

Die Tatsache, dass keine der gängigen Entspannungs-Methoden mich wirklich entspannt, bringt mich zu einer wunderbaren Conclusio: In nächster Zeit darf ruhig alles so bleiben wie es ist, ich muss nur eindeutig noch ein bisschen öfter in den Urlaub fahren, als im vergangenen Jahr. Vielleicht muss ich sogar einen „Eat, Pray, Love“-artigen Selbstfindungstrip machen; ich weiß es nicht! Doch eines ist gewiss: Um meinen CO2-Ausstoß zu verringern, nehme ich diesmal auch den Zug – versprochen!

– Michael

Mein Buch, „Der Letzte macht den Mund zu“, ist unter anderem hier erhältlich: http://amzn.to/2oVTCxE

 

Share:

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.