Der Morgen nach der Party

Je älter ich werde, desto schwieriger wird es für mich, Party zu machen. Es scheint mir, als wäre für eine erfolgreiche Partynacht mittlerweile eine schier unmögliche Konstellation an Dingen notwendig, die in ihrer Wahrscheinlichkeit einem Lotto-Sechser gleicht: Ich muss am Vortag gut geschlafen, am nächsten Tag nichts geplant und generell Lust haben, Alkohol zu konsumieren als wäre ich ein Pirat aus dem 19. Jahrhundert.

Abende wie diese sind heutzutage in etwa so selten, wie ein gemeinsamer Auftritt der Spice Girls: Einmal in drei Jahren ist es so weit. Doch freudig darf ich euch berichten, dass erst letztens wieder genau so ein Abend war.

Teresa – eine relativ neue Bekanntschaft, die noch nicht wusste, wie fürchterlich ich werde, wenn ich trinke – lud um 22 Uhr zu ihrer Geburtstagsparty in einem Wiener Club. Mit einem naiven Enthusiasmus, den ich nur aus einer Zeit kenne, in der ich auch dachte, ich könnte auf Tinder „die große Liebe“ finden, beschloss ich also, alleine auf diese Party zu gehen und bereits um 19 Uhr zu trinken anzufangen. Man möchte meinen, ich hätte es darauf angelegt, an diesem Abend ermordet zu werden.

Der Partyabend hatte alles, was ein guter Partyabend braucht: Drama, günstigen Alkohol und eine Spotify-Playlist namens „90s Trash Explosion“. Wie in meinen Jugendjahren rauchte ich unzählige Zigaretten, obwohl ich eigentlich Nichtraucher bin, startete betrunken einen Monolog zum Thema „Warum Britney Spears ein verkanntes Genie ist“ und belohnte mich um 5 Uhr morgens mit einem Döner von einem Snack-Imbiss, bei dem man sich auch illegal tätowieren lassen kann. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich für gewöhnlich um 22 Uhr schlafen gehe und es für einen „aufregenden Abend“ halte, wenn ich zuhause eine Duftkerze anzünde.

Aufgrund der Tatsache, dass ich nach Jahren der Flaute wohl offensichtlich doch noch dazu fähig war, so richtig Party zu machen, fühlte ich mich absolut fantastisch – zumindest bis zum nächsten Morgen, als ich aufwachte und mir wieder einfiel, warum ich mich all die Jahre lang von langen, alkoholgetränkten Partynächten ferngehalten hatte: Mein Kater an jenem Morgen war so monströs, dass ich am liebsten kopfüber in ein mit Aspirin gefülltes Swimming Pool springen wollte.

Schlimmer noch, als die Tatsache, dass ich mich fühlte, als würde eine Mariachi-Band in meinem Kopf Heavy Metal Covers spielen, war es wohl, dass ich offenbar nichts aus meinen bisherigen Exzessen gelernt hatte und daher versuchte, meinen Kater vor meinen Mitmenschen zu vertuschen. Anstatt etwa das „Kaffee & Kuchen“-Date mit meiner besten Freundin abzusagen, saß ich stocksteif in einem pink geschmückten Prinzessinnen-Café und bemühte mich, mich nicht in meine geblümte Teetasse zu übergeben.

Mein Kater war absolut fürchterlich und die Party – rückblickend betrachtet – solche Schmerzen absolut nicht wert. Dennoch bereue ich absolut nichts, sondern fühle mich stattdessen bestätigt in dem Wissen, dass ich, wenn ich es nur möchte, doch noch ein richtiger Partylöwe sein kann – wenn auch nur einmal in drei Jahren.

– Michael

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