Mein alkoholfreier Sommer

Ich habe beschlossen, im Sommer keinen Alkohol zu trinken. Bestimmt schockiert euch diese Enthüllung bis ins Knochenmark und ihr könnt unmöglich glauben, dass Michael „Bitte noch ein Glas Wein!“ Buchinger je auf Alkohol verzichten würde, doch es ist die Wahrheit: Ich, der Junge, der sich oft fragt, warum es in Krankenhäusern keine Bar gibt – bin nun schon in meiner zweiten Woche der Alkoholabstinenz.

Meine Logik dabei ist folgende: Die Sommermonate sind ob ihrer Hitze unheimlich anstrengend. Da ich mich bereits bei 25 Grad Celsius in eine langsame, extrem unter der Sonne leidende Katze verwandle, die sich am liebsten ihr neues Zuhause im Gefrierfach einrichten möchte, scheint es mir vernünftig, den Alkohol – der sich ja bekanntlich schlecht mit Hitze verträgt – zu reduzieren.

Doch hat man sich über Jahre hinweg einen Ruf als Schnapsnase aufgebaut, ist es gar nicht mal so leicht, diesen hinter sich zu lassen. Erzähle ich meinen Freunden also, dass ich nichts trinke, habe ich das Gefühl, als würde ich ihnen offenbaren, dass ihre Lieblings-Eisdiele diesen Sommer nicht geöffnet hat. Sie sind fassungslos: Was? Warum? Wir hatten doch immer solchen Spaß. Sich bei 30 Grad gemeinsam in denselben Mülleimer übergeben ist nicht meine Vorstellung von Spaß, Bianca!

Da mir dieser Erklärungsbedarf auf Dauer auf die Nerven ging, beschloss ich, meinen Antialkoholismus fortan einfach geheim zu halten, als wäre er ein peinlicher Haarschnitt aus meiner Vergangenheit. „Ich kann nicht trinken, ich nehme Antibiotika!“ ist also meine Lieblings-Ausrede für entfernte Bekannte, die nicht wissen, dass mich rezeptpflichtige Medikamente noch nie vom Alkoholkonsum abgehalten haben.

Wenn ich mich in der Gegenwart von Freunden befinde, umschiffe ich das Thema „Alkohol“ dagegen gekonnt, während ich an alkoholfreien Getränken nippe. Wusstet ihr, dass es in den meisten Lokalen ulkige Getränke wie etwa „alkoholfreies Bier“ gibt? Eine Flasche in der Hand, kombiniert mit meiner Tendenz, auch nüchtern absoluten Nonsens zu schwafeln, lassen mich fast wie einen der übrigen Partygeher wirken.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich spätestens nach der dritten, nüchtern besuchten Party zu folgender Erkenntnis gekommen bin: Betrunkene Menschen sind Idioten. Unterhaltungen mit ihnen zu führen ist ein bisschen so, als würde man einer Gruppe an Pensionisten erklären, wie man E-Mails verschickt: In ihren Augen ist man ein Genie. Meine angetrunkenen Freunde finden mich interessant, sympathisch und selbst meine langweiligsten Witze lösen ausnahmslos jedes Mal ungeheuerliches Gelächter aus.

„Du bist so geistreich, Michael!“ lallen sie, während sie zwischen Lachattaken nach Luft schnappen und das nur, weil ich statt „zum Beispiel“ die Phrase „zum Bleistift“ verwendet habe. All das finde ich sehr amüsant und wenn es nach mir geht, kann der restliche alkoholfreie Sommer ruhig kommen. Doch das beste: Ich habe mich schon lange nicht mehr in einen Mülleimer übergeben und das ist ein immenser Fortschritt.

– Michael

Mein Buch, „Der Letzte macht den Mund zu“, erscheint am 14. Juli: http://amzn.to/2oVTCxE

 

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2 Comments

  1. Tina 26. Juni 2017 / 5:46 pm

    Mensch Michi, ein alkoholfreier Sommer klingt wirklich ganz fabelhaft! Vor allem der Aspekt mit dem „in den Mülleimer übergeben“ ist auch für mich ein Grund, deinem Beispiel der Abstinenz zu folgen. Denn was gibt es peinlicheres, als sich total daneben zu benehmen und seinen Mageninhalt mit Mitmenschen zu teilen. Bravo!

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